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Viel hilft nicht immer viel.


Kennst du auch diese Menschen, die die Arbeit immer an sich reißen, weil nur sie es am besten können? Oder gehörst du sogar selbst zu den Menschen, die sich jede Arbeit aufladen, weil sie glauben, dass nur sie sie perfekt machen?

Ich war früher auch so ein Mensch. Ich habe am liebsten immer alles selbst erledigt, konnte und wollte nichts abgeben. Ich wusste dann wenigstens, dass die Arbeit genau so erledigt wurde, wie ich es wollte.

Im Nachhinein betrachtet war das ganz schön bescheuert. Es war ja nicht so, dass mein Schreibtisch damals leer war und ich nur auf die Arbeit gewartet habe. Der Stapel der zu bearbeitenden Unterlagen wurde also nur noch größer, die Überstunden wurden mehr und ich war irgendwann am Limit.

Das war alles, nur nicht lustig und auch überhaupt nicht zielführend. Je mehr Arbeit ich mir aufhalste desto später wurde es im Büro und umso höher wurde meine Fehlerquote.

Eines Tages habe ich dann einen Artikel in einer Zeitschrift gelesen oder eine Reportage im Fernseher gesehen, ich weiß es gar nicht mehr genau. Dort hieß es „es gibt ungefähr 100 verschiedene Arten Geschirr zu spülen“.

Anfangs fand ich den Satz ziemlich lustig und stellte mir vor, wie jemand anderes mein Geschirr spült. Ein absolutes No Go. Nur ich kann das doch perfekt. Immerhin hatte ich in meiner Hotel-Ausbildung auch etwas über Hygiene und diesen ganzen Kram gelernt und wusste wie es richtig geht.

Ein echter Teufelskreis, aus dem ich mehr und mehr ausbrechen musste und wollte.

Aber warum ist das überhaupt so? Warum gibt es Menschen, die nichts abgeben können? Warum tun sich Menschen diesen Stress an?

Zum einen, so habe ich herausgefunden, hat das ganz viel mit Vertrauen zu tun. Wenn du deinem Kollegen oder deiner Kollegin nicht vertraust, dass er oder sie die Arbeit gut erledigen kann, wirst du auch nie etwas von deiner Arbeit abgeben. Zu deinem eigenen Leidwesen.

Zum anderen ist es oft auch der Wunsch nach Anerkennung und Akzeptanz. Im Sinne von viel hilft viel – je mehr Arbeit ich an mich reiße, desto beliebter bin ich.

Leider gibt es weder für Vertrauen noch für den Wunsch nach Anerkennung einen Schalter, den du einfach so umlegen kannst. Aber du kannst dich hinterfragen und Dinge zukünftig für dich ändern. Je bewusster du dir wirst, desto einfacher geht es.

Wenn du einen Mangel an Vertrauen hast, frage dich doch mal woher dieser Mangel kommt. Was hast du erlebt, dass dir das Vertrauen in andere Personen fehlt? Was hast du erlebt, dass du glaubst, nur du würdest die Arbeit richtig erledigen?

Werde dir dessen bewusst und hinterfrage dich, ob diese erlebten Situationen mit der derzeitigen Realität gleichzusetzen sind. Oder ob du im Hier und Jetzt etwas verändern kannst.

Nur, weil du vielleicht vor zehn Jahren oder vielleicht sogar in deiner Kindheit etwas erlebt hast, was dir das Vertrauen geraubt hat, heißt das ja nicht, dass du es nicht heute aufbringen kann.

Frage dich, was du damals gebraucht hättest, um dein Vertrauen aufrechtzuerhalten. Und wie würdest du dann heute agieren, wenn dein Vertrauen nicht zerstört worden wäre? Würdest du Arbeit abgeben? Würdest du anderen die Chance geben es so zu machen wie sie es wollen? Probiere es mal aus und schaue, was sich verändert.

Genauso ist es übrigens mit dem Wunsch nach Anerkennung. Frage dich, in welchen Situationen dir die Anerkennung gefehlt hat und was du gebraucht hättest, um dich gut zu fühlen. Oft ist es gar kein Mangel an Anerkennung, sondern ein Mangel an Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Denn wenn du mit dir zufrieden und im Reinen bist, ist die Anerkennung von außen zwar nett, aber nicht wirklich relevant für dein Tun oder Nicht-Tun.

Je genauer du dich selbst hinterfragst und je bewusster du dich entscheidest anders zu agieren als in der Vergangenheit, desto leichter wird es dir fallen.

Auch ich bin immer noch im stetigen Lernprozess und ertappe mich ab und zu dabei Dinge schnell selbst zu erledigen, obwohl ich weder Zeit noch Lust dazu habe. Und alles nur, weil ich manchmal noch glaube, dass es ein anderer sowieso nicht machen würde, wie ich es will.

Je öfter ich mich aber dabei ertappe und selbst in die richtigen Bahnen lenke, desto entspannter bleibe ich. Ich bitte um Hilfe und bin im Vertrauen, dass das Ergebnis genau so ist, wie ich es haben möchte, auch, wenn der Weg dahin vielleicht ein anderer ist als meiner.

Vertrauen baut sich nicht an einem Tag auf. Das ist ein Prozess. Bei dem einen geht es schneller, bei dem anderen dauert es länger. Das ist in Ordnung, solange du dich gut dabei fühlst.

Es ist niemandem geholfen, wenn du die Arbeit immer an dich reißt und dabei selbst auf der Strecke bleibst.

Der Gedanke von Zusammenarbeit im Team bedeutet eben auch sich die Arbeit aufteilen und sich gegenseitig vertrauen.

Es gibt ungefähr 100 verschiedene Arten Geschirr zu spülen – wie das Geschirr gespült wurde, ist hierbei völlig unerheblich. Wichtig ist doch, dass es am Ende überhaupt gespült und sauber ist.

Alles Liebe,

deine Cornelia

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